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Ihr Ziel: Die Abgasanalyse verbessern

Gemeinsam entwickeln das Steinbacher Unternehmen „AGT-PSG“ und die Hochschule Rhein-Main seit August diesen Jahres eine bessere Aufbereitung der Mess-Gase aus Verbrennungsprozessen. Das Land unterstützt das Projekt mit rund 240 000 Euro.

Viel wurde in den vergangenen Jahren diskutiert über Abgasnormen, Stickoxidbelastung und die Messungen von Schadstoffwerten. Bei der Steinbacher Firma „AGT-PSG“ weiß man das nur zu gut. „Klimaschutz und die Reduzierung des Ausstoßes an CO2 sind nicht erst seit der Ratifizierung des Pariser Klimaabkommens ein Fokusthema“, sagt Jörg Erens, Geschäftsführer des mittelständischen Unternehmens, das 42 Mitarbeiter an den Standorten Steinbach und Erkelenz beschäftigt. Der Betrieb hat sich auf Geräte für die extraktive Gas-Analytik spezialisiert, das heißt Messungen, die nicht am Ort des Gasaustritts ausgeführt werden.

„In rauen Umfeldbedingungen wie dem Inneren eines Schornsteins greifen viele Messprinzipien nicht und erfordern eine Gas-Extraktion und auswärtige Analyse“, erklärt Prof. Dr. Stefan Rusche vom Institut für Nachhaltige Mobilität und Energie (INME) der Hochschule Rhein-Main, die seit rund drei Jahren mit dem Unternehmen kooperiert.

„AGT-PSG“ produziert Sonden für die Entnahme, beheizte Leitungen für den Transport und Kühlgeräte für die Aufbereitung der Mess-Gase. „Das Gas muss beim Analysator denselben Zustand haben wie bei der Entnahme“, sagt Erens. Von besonderer Bedeutung sei die Gas-Aufbereitung. Hierfür wird das Mess-Gas per Kühlgerät für die empfindlichen Analysegeräte getrocknet, es entsteht Kondensat. Problematisch sei, dass wasserlösliche Schadstoffe mit dem Kondensat ausgewaschen würden, erläutert Rusche. „Dies führt zu einer fehlerhaften Messung der Emissionswerte. 80 Prozent der Messfehler entstehen in der Aufbereitung.“ Im Forschungsprojekt „Zymira – Zyklonkühler mit reduzierter Auswaschung von Mess-Gasen“ arbeiten Hochschule und Unternehmen gemeinsam an einer Lösung.

Simulationen am Rechner

„Das Ziel ist, über einen möglichst kurzen Kontakt von Kondensat und wasserlöslichen, gasförmigen Abgas-Bestandteilen Auswaschungen zu vermeiden“, erläutert Rusche. Seit August läuft das Projekt, im ersten Schritt ist besonders die Hochschule gefordert. „Wir fahren Simulationen am Rechner, die sich ein mittelständisches Unternehmen nicht leisten könnte. Gefunden werden muss die richtige geometrische Form des Kühlgerätes, seine Grundmaterialien und die Oberflächenkonfiguration.“ Ist der Prototyp entwickelt, gehe es zu den praktischen Tests ins Unternehmen. Am Ende soll ein marktfähiges Produkt stehen, das Anwendung in der Automobilbranche, dem Schiffsbau oder in Fabriken und Kraftwerken findet. „Überall dort, wo Verbrennungsabgase entstehen“, sagt Erens. Vor allem im asiatischen Raum sieht er einen Wachstumsmarkt.

Als Projektkosten sind rund 370 000 Euro veranschlagt. Knapp 130 000 Euro stemmt das Unternehmen aus Eigen- und Drittmitteln, die restliche Summe von 241 802 Euro gibt’s über die „LOEWE-Förderlinie 3“ vom hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. „Ich bin schon heute gespannt auf die Erkenntnisse, die die Forscherinnen und Forscher bis zum Ende des Projektes 2020 erlangen werden“, sagt Staatssekretär Patrick Burghardt (CDU) als er den Zuwendungsvertrag überreichte. Ausschlaggebend für die Bewilligung der Fördergelder sei die Innovativität des Projektes gewesen, erklärt Frank Syring, Vorsitzender der LOEWE-3-Auswahlkommission. .“ Bei „AGT-PSG“ nimmt man die Förderung als Privileg wahr. Erens: „Uns als Unternehmen macht das stolz.“

Quelle: Taunus Zeitung / Florian Neuroth